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02.03.2018

Mut zum Moksi

Für den Friedensnobelpreis 2018 ist das internationale Weltgebetstags-Komitee vorgeschlagen.
Mit gutem Grund: Der Weltgebetstag am ersten Freitag im März ist jedes Jahr ein besonderer Tag. Dann wandert ein Gebet über 24 Stunden lang einmal rund um die ganze Welt. Das Gebet verbindet Millionen von Menschen in mehr als 120 Ländern der Welt miteinander.

Das Thema ist dieses Jahr: Gottes Schöpfung ist sehr gut! Frauen aus Surinam haben dafür die Bibeltexte, Lieder und Gebete ausgesucht. Auch in Wuppertal verbinden sich heute Frauen aller Konfessionen mit ihnen, haben kreative und lebendige ökumenische Gottesdienste vorbereitet und freuen sich über alle Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche, die mitfeiern.

Surinam ist das kleinste Land Südamerikas, etwa halb so groß wie die Bundesrepublik. Es gibt dort tiefgrüne Urwälder, eine bunte Tierwelt und ganz viele Sprachen und Religionen. Denn die gerade einmal 540.000 Einwohner haben Vorfahren aus Südamerika, Afrika, Europa, China, Java, Indonesien, der Karibik und Indien. Heute leben Christ*innen, Jüd*innen, Muslim*innen und Hinduist*innen friedlich zusammen, die Bevölkerung ist bunt gemischt. Genauso wie die wunderbare Natur.

Dafür gibt es ein Wort in Surinam. Wir sind „moksi“ sagt man. Das bedeutet so viel wie: „Mix, von allem etwas, quer Beet.“ Aber auch „gemeinsam“.

Mut zum „moksi“ und Freude daran, das wünsch ich mir auch für das Miteinander in unserer Stadt. Und erlebe es – Gott sei Dank - an vielen Stellen im vielfältigen, bunten und bereichernden Miteinander der unterschiedlichsten Menschen, die Wuppertal prägen.

Gemeinsam ermutigt uns die Schöpfungsgeschichte der Bibel. Aus dem dunklen Chaos schafft Gott in sechs Tagen Tag und Nacht, Himmel und Erde, Sonne, Land und Meer, Sonne, Mond und Sterne, Pflanzen und Tiere, Mann und Frau. Keine Über- und Unterordnung ist da zu finden, sondern Rhythmus und Entwicklung und gegenseitiges Angewiesensein.

Am siebten Tag ruht Gott aus und schenkt allen einen Tag zum Wundern und Staunen, einen Tag der Unterbrechung. An diesem Tag haben wir Zeit zu entdecken: Alles, was Gott gemacht hat, ist wunderbar, ja sehr gut!

Nicht nur in Surinam ist diese heilsame Unterbrechung gefährdet: Für den Erhalt der Sonntagsruhe haben gestern am Düsseldorfer Landtag auch viele Christ*innen demonstriert, denn #unserSonntag ist uns #heilig!

Seinen Menschen gibt Gott einen Auftrag. Sie sollen die Erde hüten und bewahren, sie sollen die guten Lebensmöglichkeiten für alle erhalten. In Surinam heißt das: Die Frauen setzen sich gegen die Abholzung der Wälder und illegale Goldminen ein, die Lebensräume von Pflanzen, Tieren und Menschen bedrohen. Sie kämpfen für fairen Handel und sicheres Trinkwasser für alle. Die, die mit ihnen beten, lassen sich in die Pflicht nehmen, auch in ihrem Alltag konkrete Schritte zu gehen, die Erde für zukünftige Generationen zu schützen; und so den Glauben zu leben und die Welt ins Gebet zunehmen. Ganz nach dem Motto jedes Weltgebetstages: Informiert beten und betend handeln.

Karin Weber ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum in Elberfeld, Bezirk Philippuskirche.

foto: ör-jan kleinschmidt
text: kolumne aus der westdeutschen zeitung (wz) vom 02.03.2018

 

 

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