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09.05.2021

Seelsorge in der Pandemie

Wie gehen wir mit der Situation um, dass gefühlt jeden zweiten Tag neue behördliche Verordnungen kommen, an die bestehende Maßnahmen und Regelungen des Hauses angepasst werden müssen?

Und überhaupt: Welche Gestalt können Gottesdienste und Andachten haben, die wir auch unter Corona-Bedingungen beibehalten wollten? In diesem Zusammenhang habe ich an ein Wort gedacht, das der biblische Psalmdichter David zum Gottesdienst gesagt hat (Ps. 27,4):

Eines bitte ich vom Herrn,

das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des Herrn

bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen

Gottesdienste des Herrn.

Trotz Corona schöne Gottesdienste feiern, das war von Anfang an unser Bestreben. Auch wenn es wegen der Kontaktbeschränkung bei den Gottesdiensten manchmal nichts zu schauen gab.

Dafür haben wir alles darangesetzt, Gottesdienste hörbar zu machen. Im Altenheim in der Stollenstraße konnten dank der Übertragungsanlage im Haus Gottesdienste übertragen werden.

Die Texte, die mein katholischer Kollege Diakon Schmitz und ich gesprochen haben, gelangten über Lautsprecher in die Speisesäle und auf die Zimmer. Unsere Klavierspielerin, Sabine Burkhardt, steuerte schöne zur Kirchenjahreszeit passende Gesangbuchlieder bei. Die Resonanz, die wir bekommen haben, war positiv. Viele Bewohner hören sich die Andachten gerne und regelmäßig an.

Im Altenzentrum am Nordpark und im Altenheim in der Hugostraße feiern wir die Gottesdienste im Moment auf einzelnen Wohngruppen. Der Vorteil ist, dass die Bewohner von ihren Plätzen im Speisesaal aus, von denen es jeweils einen auf jeder Wohngruppe gibt, den Gottesdienst verfolgen können.

Die Freude darüber, dass Gottesdienste wieder in einem kleinen Rahmen stattfinden können - zwar ohne Singen und ohne Abendmahl - ist groß. Besonders an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern merke ich, dass den Bewohnern der Gottesdienst sehr wichtig ist.

Manche holen ihre schönsten Anziehsachen aus dem Schrank. Zum letzten Karfreitagsgottesdienst in der Hugostraße erschien ein Bewohner im dunklen Anzug mit Krawatte. Die Lieder an diesen Festtagen wecken Erinnerungen und lösen Gefühle aus. Nicht selten fließen auch Tränen.

Corona wirkt sich nicht nur auf die Praxis unserer Gottesdienste aus, sondern auch auf die Themen der Seelsorge. Im ersten Lockdown im März 2020 bewegte eine Frage die Bewohner besonders: „Wie lange noch – wann ist das Virus endlich vorbei?“ Ähnliche Fragen haben die Bewohner in den Seelsorgegesprächen immer wieder gestellt.

Wir Mitarbeiter hatten darauf keine Antwort. Manchmal muss man eine Frage stehen lassen. Und kann allenfalls versuchen, einen Ausblick zu geben: „Wenn der Lockdown vorbei ist, dann können wir wieder...“ So haben wir versucht, den Blick nach vorne zu richten. Die ersten Wochen, in denen keine Angehörigen zu Besuch ins Haus kommen durften, waren für die Bewohner schwer.

Die Mitarbeiter der Sozialen Betreuung und ich als Seelsorgerin haben täglich jeden Bewohner im Haus besucht und ein Gespräch angeboten. Die Bewohner waren sehr dankbar für dieses Angebot. Ergänzend haben die Altenheime Tablets angeschafft, mit denen die Bewohner Videogespräche mit ihren Angehörigen geführt haben.

Besonders das Wiedersehen online mit ihren Enkeln und Urenkeln hat vielen Senioren Freude bereitet. Manche Begegnung fand auch über den Balkon hinweg statt. Die Senioren standen oben auf dem Balkon, ihre Angehörigen unten vor dem Haus. Manches Ständchen zum Geburtstag wurde auf diesem Wege dargebracht.

Heute ist die Situation anders. Seit einiger Zeit dürfen Angehörige mit negativem Corona-Test und FFP2-Maske das Haus betreten und ihre Lieben auf den Zimmern besuchen. Einzelne Veranstaltungen finden wieder statt.

Das normale Leben kehrt langsam in unsere Häuser zurück. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die meisten unserer Bewohner und Mitarbeiter geimpft sind. Die Impfung gibt Sicherheit. Man merkt es den Bewohnern an, sie sind wesentlich entspannter. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg und so Gott will, geht es nun immer weiter bergauf.

Gottes Segen und herzliche Grüße

Ihre Iris Fabian, Pastorin der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal

 

 

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