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10.09.2021

Ein Birnbaum in seinem Garten stand

Vor einiger Zeit hat das Zweite Deutsche Fernsehen an einem Samstagabend einen Rückblick auf 50 Jahre Hitparade gebracht. Die Sendung hieß: „50 Jahre ZDF-Hitparade – Die Zugabe“. Dem Publikum bekannte Showstars wie Roland Kaiser, Michelle, Jürgen Drews, Andy Borg und Peggy March waren als Gäste der Sendung eingeladen. Aber auch weniger bekannte Namen waren dabei. Der Abend wurde von dem Entertainer Thomas Gottschalk moderiert. Ich habe mir die Show ein paar Minuten angesehen und dabei gedacht: So etwas haben wir in unseren Altenheimen im Grunde genommen auch. Keine Musikshow, aber doch eine Reihe von Liedern, die immer wieder gerne gehört und gerne gesungen werden. Ganz oben auf der Hitliste steht „So nimm denn meine Hände“ im Evangelischen Gesangbuch (EG) Nummer 376 mit dem Text von Julie Hausmann und der Melodie von Friedrich Silcher. Es folgen „Großer Gott, wir loben dich“ (EG 331) und „Lobe den Herren“ (EG 317).

Es sind aber nicht nur Lieder, es sind auch Texte - hauptsächlich Gedichte -, die unsere Bewohner immer wieder gerne hören. Manche haben diese Gedichte in der Schule gelernt und können sie noch heute auswendig. Das vielleicht beliebteste Gedicht bei unseren Bewohnern ist „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane. Die erste Strophe lautet:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand, und kam die goldene Herbsteszeit und die Birnen leuchteten weit und breit, da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl, der von Ribbeck sich beide Taschen voll, und kam in Pantinen ein Junge daher, so rief er: „Junge, wiste 'ne Beer?“ Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn, kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.“

Theodor Fontane hat die Ballade über den Herrn von Ribbeck im Jahr 1889 geschrieben. Ich frage mich, was wäre, wenn ein Herr von Ribbeck heute an der Straße stünde und vorbeilaufenden Kindern Birnen anbieten würde? Eine Birne, kann man damit ein Kind heutzutage noch begeistern? Es müsste vielleicht eine besondere Birne sein. Eine, die größer ist. Aus Keramik, mit Blütenstengeln bemalt und einem Gedicht bedruckt. Immer größer, immer mehr, auf die Steigerung kommt es an. Nach dem Motto leben heute nicht wenige Menschen. Die beiden amerikanischen Multimilliardäre Jeff Bezos und Richard Branson sind vor kurzem zu einem privaten Weltraumflug gestartet und danach auf die Erde zurückgekehrt. Beide besitzen eigene Raumfahrtunternehmen, die Raumfahrzeuge herstellen. Weltraumtourismus soll nach ihrem Willen in naher Zukunft für jeden möglich sein. Bei Richard Branson kostet der Trip ins All 250.000$. Berühmte Showstars wie Leonardo DiCaprio, Rihanna, Katy Perry und Kate Winslet sollen schon gebucht haben.

Von den Bewohnern unserer Häuser wird aller Voraussicht nach keiner mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet ins All fliegen. Das ist auch nicht nötig, um Gott nahe zu sein. Seitdem Gott vor 2000 Jahren vom Himmel herabgestiegen und auf unserer Erde Mensch geworden ist, ist es für uns leichter, mit ihm in Verbindung zu treten. Gott hat jetzt einen Namen: Jesus Christus. Diesen Namen können wir jederzeit anrufen. Wir können Jesus alles sagen, was uns auf dem Herzen liegt. Wenn wir zu Jesus sprechen, dann brauchen wir keine große Show zu machen wie so mancher Entertainer vor seinem Publikum. Bei Gott genügt es, dass wir ganz wir selber bleiben. Wie das geht, zeigt uns Jesus. Jesus sagt uns, wer wir sind und wer wir nicht sind. Was zu uns gehört und was nicht zu uns gehört. Was wir tun und sagen können und was wir besser nicht tun und nicht sagen sollten. Der Rat, den uns Jesus in allen Belangen unseres Lebens gibt, ist umsonst. Er kostet uns keinen Cent, wir müssen ihn nur annehmen. Genau wie die Kinder die Birnen, die Herr von Ribbeck ihnen geschenkt hat.

Iris Fabian, Pastorin der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal
10. September 2021

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