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20.12.2021

Adventsandacht „Josef“

Der biblische Josef – das ist schon eine eigentümliche Gestalt. Es gibt nur wenige Sätze im Neuen Testament, in denen er eine Rolle spielt:

Als Josef erfährt, dass seine Verlobte Maria schwanger ist, will er sie verlassen, denn das Kind konnte nicht von ihm sein. Doch ein Engel macht ihm Mut, zu der ungewollt Schwangeren zu stehen – und so reist er kurz vor der Entbindung mit Maria zur Volkszählung nach Bethlehem. Bei der Geburt Jesu ist er Statist, wie in den meisten Krippenspielen unserer Tage. Erst als Herodes den neugeborenen Messias-Anwärter töten will, kommt Josef wieder ins Spiel. Er erhält von Gott den Auftrag, mit Maria und dem Kind nach Ägypten zu fliehen – und ein Engel sagt ihm einige Jahre später auch, dass die Gefahr vorbei sei; so konnten sie nach Nazareth zurückkehren, wo Jesus dann aufwuchs.

Eine Szene wird dann noch in der Bibel berichtet: Jesus verlässt als 12-jähriger während einer Reise seine Eltern und erstaunt im Jerusalemer Tempel die klugen Köpfe mit seinem Wissen, danach aber folgt er brav Maria und Josef nach Hause.
Und dann verliert sich die Spur des Josef im Dunkeln. Der Zimmermann Josef ist wohl noch recht jung verstorben, und Jesus beginnt ungefähr im Alter von 30 mit seinen Predigten und seinen Heilungen.

Josef – an Weihnachten nur ein Statist? In der entscheidenden Situation, dieser einzigartigen Geburt in Bethlehem, in der Gott Mensch wird, ist Josef nur Beleuchter, der die Lampe im Stall hält? Auf den ersten Blick kann man diesen Eindruck gewinnen: Maria steht im Mittelpunkt, die Gottgebärerin. Meist mit einem Gewand in himmlischem Blau bekleidet, präsentiert sie stolz, manchmal auch zärtlich-liebevoll das Kind. Unzählige Bilder aus zwei Jahrtausenden zeichnen dies.

Josef – an Weihnachten nur ein Statist? Mitnichten! Schauen Sie sich einmal das beigefügte Bild an, ein im 15. Jahrhundert gemalter Bucheinband.

Josef wird vom blauen Himmelsmantel eingehüllt, seiner Pflege und Fürsorge ist es zu verdanken, dass Jesus nach seiner Geburt überlebt und die Weihnachtsgeschichte weitergegangen ist. In Josefs Hände legt Gott das Leben seines Sohnes. Welch eine Aufgabe, welch eine Ehre. Durch seine Tatkraft und seinen Einsatz, oft im Verborgenen, setzt er sich für das Leben ein und setzt Zeichen, dass Gott für die Menschen da ist und für sie Sorge trägt hier in unserer Welt.


Liebe Mitarbeitende der Diakonie Wuppertal,

keine und keiner von uns ist nur Statist:in, wir alle haben tragende Rollen. Gilt es doch, das zarte, verletzliche, zerbrechliche Hoffnungszeichen, das Gott in unsere unbarmherzige, harte, die Schwachen verletzende, Welt sendet - gilt es doch, dies Hoffnungszeichen zu hegen und zu pflegen. So wie Josef weiß, was ein Neugeborenes braucht und es liebevoll schützt, so wissen wir, welchen Angriffen die frohe Botschaft der Liebe Gottes, die für alle Völker gilt, ausgesetzt ist. Es klingt so einfach, dass Gott alle Menschen gleich lieb hat, allen die gleiche Würde, das gleiche Recht auf ein menschenwürdiges Leben zugesprochen hat, es klingt so einfach und es wird doch überall auf der Welt, auch in unserem Land, mit Füßen getreten. Davon wissen Sie, liebe Diakoniemitarbeitende, ein Lied zu singen. Auch unser diakonischer Dienst geschieht oft unscheinbar, im Verborgenen, und ist doch so wichtig. Für viele, die sich von der Kirche abgewandt haben oder ihr nie nahestanden, ist diakonisches Handeln der einzige Weg, sie mit der entscheidenden Botschaft Gottes zu erreichen: Euch ist heute der Heiland geboren.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien gesegnete und friedvolle Weihnachten und einen fröhlichen Start in das neue Jahr.

Ihr

Martin Hamburger

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